Große Kirche - Moderkerk

Die Geschichte der im Mittelalter den Heiligen Cosmas und Damian geweihte Kirche lässt sich bis ins 9. Jahrhundert zurückverfolgen. 1520 fand in dieser Kirche der erste protestantische Gottesdienst statt, der von Georgius Aportanus gehalten wurde. Sein Abendmahlsverständnis, das in den Emder
Abendmahlsthesen von 1526 und in dem Bekenntnis der ostfriesischen Prediger von 1528 seinen Niederschlag fand, entsprach dem reformierten Ansatz. Ein Jahr später predigten hier die vom ostfriesischen Grafen Enno II mit der Ausarbeitung einer lutherischen Kirchenordnung für Ostfriesland befassten Bremer Theologen Johann Pelt und Johann Tiemann.
1529 fanden D. Andreas Karlstadt aus Wittenberg und der aus Schwäbisch-Hall stammende Laienprediger Melchior Hoffman in Ostfriesland Zuflucht. Hoffman gab mit der Taufe von mehr als 300 Erwachsenen in der Großen Kirche die Initialzündung für eine erste Täufergemeinde im Nordwesten Europas.

Der polnische Humanist Johannes a Lasco wurde 1542 von Gräfin Anna mit der Neuordnung des ostfriesischen Kirchenwesens betraut. In Bezug auf die umstrittene Abendmahlslehre entwickelte er eine Kompromissformel, um damit einen Grundstein für eine einheitliche protestantische Kirche Ostfrieslands zu legen. Mit den niederländischen Glaubensflüchtlingen jedoch, die nach 1566 die Stadt mehr und mehr bevölkerten, wurde der Calvinismus in der Emder Gemeinde verstärkt und durch Menso Alting von 1575 an endgültig etabliert.
Schon im 16. Jahrhundert wurde die Emder Kirche weithin als „Moederkerk van de Nederlandse Reformatie“ gepriesen, denn von Emden aus wurden reformierte Prediger in die Niederlande entsandt. Hier wurden 70 % der Bücher für reformierte Niederländer gedruckt und in Emden fanden tausende Glaubensflüchtlinge eine neue Heimat. Darum wurde die Stadt auch als „Herberge Gottes“ bezeichnet.